Up and down
Eigentlich hätte ich allen Grund glücklich mit meinem Leben zu sein.
Ich bin Kerngesund (wird leider viel zu häufig unterschätzt), bin obwohl ich hauptberuflich Student bin in der Lage mein Leben komplett selbst zu stemmen (unabhängig von Eltern und unabhängig vom Staat – Grüße an Herrn Westerwelle), Studium läuft offensichtlich Klasse und macht riesen Spaß, und nach den erfolgreich hinter mich gebrachten Klausuren (erste Ergebnisse sind bereits da und ich habe Grund mich zu freuen), darf ich mich jetzt auf einige Wochen Urlaub freuen. Selbst die von vielen gefürchtete Zukunft stellt für mich kein Problem dar. Ich bin Informatiker, und nach allem was ich bisher an Feedback bekommen habe kein schlechter, die Zukunft für meine Sippe scheint rosig, wenn man den Arbeitsmarktprognosen glauben darf. Erst heute Mittag habe ich in der Zeitung gelesen, dass IT-Gehälter im letzten Jahr um 4% gestiegen sind – und das trotz Wirtschaftskrise. Worum mache ich mir also Sorgen?
Viele kleine Dinge, die mir Angst machen, mir Sorgen bereiten vielleicht, die mich in der Summe doch gelegentlich zum Schwanken bringen können. Ich denke da an die letzten Drei bis Vier Wochen. Die Vorbereitung auf die Klausuren. Wer den Julius von früher kennt, wird ihn nicht wiedererkennen, aber ich saß Tagelang über meinen Unterlagen und Büchern und habe mich auf Klausuren vorbereitet. Wenn man sich für etwas begeistern kann, dann macht sogar Lernen Spaß… Warum ich da etwas negatives sehe? In den letzten Wochen wurde mir bewusst, wie schrecklich allein man sein kann. Ich weiß mittlerweile wieder, warum ich Lernen früher gehasst habe. Nur mittlerweile sehe ich es als Teil meines Berufes, also auch als Teil meines Lebens, und hier haben wir die Brücke… Macht die Art, wie ich grade gedenke mein Leben zu gestalten einsam? Vielleicht muss ich nochmal umdenken?
Und wer es im ersten Absatz noch nicht gemerkt hat, dem will ich es jetzt nochmal deutlich machen: Warum um alles in der Welt stütze ich meine Zukunft auf Arbeitsmarktprognosen und Gehaltsspiegel? Bin ich wirklich so billig? (Achtung Wortwitz) Das kann doch nicht alles sein… Also nächster Punkt – offensichtlich verliere ich die wirklich wichtigen Dinge im Leben aus den Augen. Auch hier wäre Umdenken angesagt.
(Hier sollte eigentlich ein Text über die Trennung von meiner Exfreundin stehen, die mich aus diversen Grunden immer noch belastet, das ist aber keine Sache, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden muss. Kurzfassung: Die Trennung hat mir aufgezeigt, dass man als Mensch substituierbar ist)
Auch meiner früheren sportlichen Karriere (leichte Übertreibung, für eine Karriere hätte es ein paar Jahre weiter gehen müssen), trauere ich ein wenig hinterher. Bis zum Beginn meines Studiums habe ich Leistungssport aus Überzeugung betrieben. Heute ist das Laufen für mich zum Hobby verkommen. Ein willkommener Ausgleich zum sonst eher kopflastigen Alltag. Etwas mit Leistungssport vergleichbares wird sich daraus vermutlich nie mehr entwickeln. In ruhigen Momenten kann mich diese Tatsache auch traurig stimmen. Weggeworfenes Talent? Oder doch eher Kosten-Nutzen-Rechnung?
Was will uns dieser – zugegeben etwas schwer zu durchschauende – Text nun sagen? Der Julius macht sich Gedanken! Er ist manchmal hin und her gerissen und sollte er einmal nicht so gute Laune haben und ihr merkt das, dann lächelt ihm ins Gesicht und sagt ihm, dass noch gute Laune Tee da ist



am 18. Februar 2010 um 16:06 Uhr.
… ist noch gute Laune Tee da!
am 24. Februar 2010 um 07:59 Uhr.
… Fazit: Du mutierst zum karrieregeilen Streber
Lass dich mal wieder blicken… Gruß
am 4. März 2010 um 20:15 Uhr.
Hey Julius,
bin grad über deine Seite gestolpert… und da viel mir dieser Text ins Auge. Wollt dir nur sagen lass dich nicht unterkriegen, so ist nun mal das Leben, man kann nicht alles auf einmal haben- daran muss man sich wohl gewöhnen und viele Dinge ändern sich einfach, aber bestimmt nicht ohne Sinn- also zweifel doch nicht so an dir sondern vertrau dir selber:)