Neues aus Schweden?
Julius am 15. November 2010 um 01:19… nicht viel. Daher findet Ihr auf diesen Seiten in letzter Zeit leider auch nicht mehr wirklich viele neue Einträge.
Ich erlebe hier eine sehr interessante Art zu studieren, die davon geprägt ist, dass nach Feierabend auf dem großen Campusgelände viele Feiern statt finden, tagsüber allerdings gewissenhaft studiert wird. Ja man mag es kaum meinen, wenn man meine Fotos bei Facebook oder hier auf dem Blog sieht… Das Problem ist aber eher, dass Fotos aus der Freizeit doch deutlich interessanter sind, als Fotos vom Studienalltag
Ein großer Unterschied zwischen dem Studium in Schweden und Deutschland ist mir jedoch bereits bewusst geworden. Hier versteht man es Studenten zu selbständigem Arbeiten zu motivieren. In Deutschland erschienen mir Übungsaufgaben eher als mühevolle Pflichtübungen, hier ist es so, dass man motiviert wird sich selbständig in ein Stoffgebiet einzuarbeiten. Ich denke mal die Freiheiten sind der entscheidende Faktor dabei. In Deutschland habe ich doch irgendwie dauernd vorgegeben bekommen, wie ich etwas zu erledigen habe. Wege abseits der Denkmuster des Professors endeten darin, dass ich entweder einen (umfangreichen) Beweis für die Richtigkeit meines Vorgehens vorgetragen habe, oder dass ich eine mittelmäßige bis schlechte Zensur akzeptiert habe. Ich denke der Ruf, dass die skandinavischen Bildungssysteme den deutschen überlegen sind, kommt nicht von Ungefähr. Die Gründe sind jedoch nicht unbedingt im Bildungssystem selbst zu suchen, sondern eher in der Mentalität der Menschen. Hier werden flache Hierarchien gelebt. Das fängt in den Schulen und Universitäten an, wo ich meine Lehrer schlicht mit Vornamen anspreche, statt ehrfürchtig mit korrekt formuliertem Titel & Namen (“Herr Professor Professor h.c. Dr.-ing. Dr.-med Dr. Dr. Dr. h.c. Müller,…”), und hört bei den Staatsrepräsentanten auf, wo man den König schlicht mit “Hej Karl-Gustav” anspricht. Es macht so vieles so viel einfacher, wenn nicht jeder denkt er sei besser als sein Gegenüber. Auch der Anruf beim Amt ist schnell und unkompliziert erledigt, weil man nicht im Kompetenzwirrwar verloren geht, sondern weil man sich gegenseitig helfen möchte. Man redet ja mit jemandem, der genau so ist, wie man selbst, und nicht etwa, wie man in deutschen Ämtern oft den Eindruck hat, mit einem höheren Wesen, dass die Komplexität der staatlichen Verwaltungsgesetze und Organe durchdrungen hat.
Eine Anspielung auf eine der letzten öffentlichen Diskussionen der deutschen Medien- und Politiklandschaft kann ich mir nicht verkneifen: Wenn man nicht so versessen darauf ist etwas besseres zu sein, dann fällt auch die “Integration” deutlich einfacher
Kann man mal drüber nachdenken…
Achja, an dieser Stelle würde ich gerne nochmal betonen, dass ich in Deutschland geboren bin, und deshalb so eine Art Recht darauf habe besser sein zu wollen. Bei Bedarf greife ich darauf natürlich zurück
(Wer mich kennt weiß, dass das feinster Sarkasmus auf meine eigenen Kosten war, der Rest weiß es nun auch)
So, nun aber ins Bett, morgen habe ich Klausur. Schwedisch für Anfänger! Kostproben gebe ich nach bestandener Prüfung in Facebook

































































































































































































